Und dann nehme ich meinen Hut

Verabschiedung beim Creglinger Workout-Fachsimpeln in den Feierabend von Gabriele Bachem-Böse

Mitte Oktober fand im Schlosscafé Bad Mergentheim die Verabschiedung der langjährigen Leiterin des Main-Tauber-Instituts (MTI) der Jugendhilfe Creglingen, Gabriele Bachem-Böse, statt. Das Abschiedsfest unter dem Motto „Und dann nehme ich meinen Hut“ fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Creglinger Workout – Fachsimpeln in den Feierabend“ statt.

Ehrung durch viele Gäste

Zahlreiche Wegbegleiter:innen, wie z. B. aktuelle und ehemalige Kolleg:innen sowie Kooperationspartner, waren der Einladung gefolgt und begaben sich auf eine Reise durch das Arbeitsleben von Gabriele Bachem-Böse. Nach dem Willkommensgruß der neuen Leiterin des MTI, Gabriela Schwarz, interviewte der Geschäftsführer der Jugendhilfe Creglingen, Werner Fritz, Frau Bachem-Böse. Gespickt mit vielen Anekdoten gab sie Einblicke in die „Aufs und Abs“ ihrer Arbeitsbiografie bei der Einrichtung.

Die studierte Psychologin startete im Jahr 2000 direkt nach ihrem Studium in Würzburg mit einer Halbtagsstelle im Fachdienst der Einrichtung, damals noch am ehemaligen Standort in Frauental. Die Stelle kombinierte sie längere Zeit mit einer weiteren Teilzeitstelle am Zentrum für Psychiatrie in Weinsberg, bis sie nach einigen Jahren eine Vollzeitstelle in der Jugendhilfe Creglingen annahm.

Kooperationen

Mit ihrer Sichtweise brachte sie frischen Wind in die Jugendhilfe Creglingen. Eine gute Kooperation mit anderen Professionen, Einrichtungen und dem Jugendamt war ihr immer äußerst wichtig. „Aus Kleinem fängt alles an und wird groß“, so ihr Gedanke. Besonders eine enge Kooperation mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie lag ihr am Herzen. Für beide Seiten war dies ein Gewinn: Der gegenseitige Blick auf die jeweils andere Profession – Pädagogik und Psychiatrie – wurde geschärft. Zur damaligen Zeit war dies noch keine Selbstverständlichkeit.

Systemisch-Pädagogischer Ansatz

Gemeinsam mit dem damaligen Einrichtungsleiter Joachim Matthey brachte sie auch den systemisch-pädagogischen Ansatz in unsere Einrichtung. Für die weitverstreute Einrichtung mit ihren vielen Angeboten und „Satelliten“ an unterschiedlichen Standorten suchten sie ein verbindendes Element. Durch die systemisch-pädagogische Ausrichtung fanden sie diese Verbindung. Unsere Einrichtung arbeitet heute noch nach diesem Ansatz und wurde bereits drei Mal in Folge von der Deutschen Gesellschaft für systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) als empfohlene Einrichtung ausgezeichnet. Dies ist auch ein Verdienst von Gabriele Bachem-Böse, die bei der DGSF nach wie vor aktiv mitarbeitet.

Im Rahmen der Zertifizierung besucht man viele andere Einrichtungen, und die eigene Einrichtung erhält Gegenbesuche. Diesen Blick nach außen und den Blick von außen empfand die Psychologin immer als Bereicherung für die eigene Arbeit. Aus ihrer Sicht ist der systemisch-pädagogische Ansatz eine geniale Art zu arbeiten: Man begegnet den Familien auf Augenhöhe, macht sie zu Experten ihrer eigenen Familie und richtet den Blick weg von den Problemen hin zu Lösungsansätzen. Ebenso weitet sich durch die systemische Haltung der Blick auf alles.

Leitung Main-Tauber-Institut

2021 wurde sie von der Jugendhilfe Creglingen als Fachdienstleiterin in den Ruhestand verabschiedet – sozusagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit aufgrund der Coronazeit. Nun begann ihre Tätigkeit als Leiterin des Main-Tauber-Instituts. Fort- und Weiterbildungen waren ihr selbst und auch für ihre Kolleg:innen immer wichtig. Heute sieht sie im Gegensatz zu früher einen stärkeren Wunsch der Mitarbeitenden, sich fortzubilden, sowie eine größere Bereitschaft, sich weiterzubilden und weiterzuentwickeln.

Jugendhilfe ist für sie politisch: „Man kann als Jugendhilfe gar nicht nicht politisch sein“, so Bachem-Böse. Aus ihrer Sicht muss Jugendhilfe als Teil der Gesellschaft politisch immer mitgedacht werden. Gerade in der heutigen Zeit müsse man sehr wachsam sein, damit keine Gelder gekürzt werden. Auch Werner Fritz ist sich sicher: „Wir leisten einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag.“

Gabriele Bachem-Böse ist sich sicher, dass die Jugendhilfe sich kümmert, ist super. Doch durch den gesellschaftlichen Wandel ist bei vielen Dingen die Hilfe und Unterstützung der Gemeinschaft für den Einzelnen weggebrochen. Würde sich die Gesellschaft wieder mehr umeinander kümmern, wäre unter Umständen gar nicht so viel Hilfeleistung nötig. Werner Fritz schlägt vor, dass die Jugendhilfe auch dazu beitragen könnte, dieses Miteinander wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken und dazu anzuregen, sich mehr umeinander zu kümmern, z. B. in Vereinen oder Familien.

Zukunftsvisionen

Da Gabriele Bachem-Böse in den vergangenen Jahren immer mehr die Beobachterrolle übernommen hat, fällt ihr die Frage nach einer Zukunftsvision der Jugendhilfe Creglingen in fünf Jahren schwer. Sie vermutet, dass die Einrichtung gewachsen ist: Es gibt eine Kleinkindgruppe, die Schulsozialarbeit wurde ausgeweitet und es gibt eine hauseigene KITA. Vielleicht sind auch weniger Kinder da durch den demographischen Wandel und aus der Wohngruppe in Bad Mergentheim wird eine Seniorenwohngemeinschaft – dann würde sich der Kreis wieder schließen 

Dank und Glückwünsche

Nach einer Stärkung hatten die Gäste die Möglichkeit, Dankesworte an Frau Bachem-Böse zu richten. Dieser Aufforderung kamen viele gerne nach. Auch Einrichtungsleiter Werner Fritz dankte Gabriele Bachem-Böse für ihren stetigen Einsatz und überreichte ihr passend zum Motto einen Hut.

Das Interview wurde aufgezeichnet und ist demnächst als Podcast bei Spotify zu hören.

Mehr Infos über die Fort- und Weiterbildungen des Main-Tauber-Instituts mit integrierter Heilpädagogik-Schule erhält man hier.