Anfang Oktober 2026 beginnt am Main-Tauber-Institut der Jugendhilfe Creglingen e. V. erneut ein Ausbildungskurs zur staatlich anerkannten Heilpädagogin bzw. zum staatlich anerkannten Heilpädagogen. Die berufsbegleitende, dreijährige Teilzeitausbildung richtet sich an pädagogische Fachkräfte, die ihr fachliches Profil erweitern und sich für anspruchsvolle Aufgaben in der inklusiven Arbeit qualifizieren möchten. Der Unterricht findet in der Regel am Freitagnachmittag und Samstagvormittag statt, ergänzt durch eine Blockwoche pro Ausbildungsjahr. Eine Förderung über das Aufstiegs-BAföG (Meister-BAföG) ist in den meisten Fällen möglich.
Ein interdisziplinäres Dozententeam vermittelt die theoretischen Inhalte, die die Teilnehmenden im Selbststudium und in Kleingruppen vertiefen. Ergänzt wird die Ausbildung durch ein Praktikum, in dem die erlernten Inhalte umgesetzt werden. Am Ende stehen eine schriftliche Abschlussprüfung, eine Facharbeit sowie ein Kolloquium. Mit Bestehen erhalten die Absolventinnen und Absolventen eine staatlich anerkannte, bundesweit gültige Qualifikation.
Heilpädagogik – professionelle Begleitung unter erschwerten Bedingungen
Heilpädagogik ist die wissenschaftlich fundierte Lehre von der Entwicklungsbegleitung, Bildung und Förderung von Menschen, deren Lebenssituation durch besondere Belastungen erschwert ist. Diese können etwa durch Beeinträchtigungen wie Autismus oder ADHS, durch traumatische Erfahrungen, familiäre Krisen, Armut, Vernachlässigung oder andere herausfordernde Lebensumstände entstehen. Zentraler Gedanke der Heilpädagogik – geprägt u. a. vom Schweizer Pädagogen Paul Moor – ist die Haltung des Verstehens: „Wir müssen ein Kind erst verstehen lernen, bevor wir es erziehen.“ Damit rückt nicht die Problemlage, sondern der Mensch mit seinen Ressourcen, Bedürfnissen und Entwicklungsmöglichkeiten in den Mittelpunkt.
Heilpädagogische Fachkräfte arbeiten bindungsorientiert, stärken die Beziehung zum Kind und begleiten es mit einem positiven, wertschätzenden Menschenbild. Die Heilpädagogik ist dabei nicht defizit-, sondern ressourcenorientiert: Ziele, Wünsche und Potenziale des Kindes oder Jugendlichen bilden den Ausgangspunkt für jede Förderung.
Die angehenden Heilpädagoginnen und Heilpädagogen erwerben umfassende Kompetenzen in den Bereichen Pädagogik, Heilpädagogik, Psychologie, Soziologie, Medizin, Psychiatrie, Rechtskunde, Diagnostik und Didaktik.
Gute Zukunftsperspektiven
Die Berufschancen gelten als ausgezeichnet – nicht zuletzt durch die geplante Zusammenführung der Sozialgesetzbücher VIII und IX bis 2028. Damit soll die Jugendhilfe auch für Kinder mit Behinderungen zuständig werden, was einen bedeutenden Schritt hin zu einer inklusiven Unterstützung darstellt. In vielen pädagogischen Kontexten stoßen Fachkräfte heute an Grenzen; hier gewinnen heilpädagogische Methoden zunehmend an Bedeutung. Zudem kann die heilpädagogische Einzelförderung, zum Beispiel durch Spieltherapie, den Mangel an Kinder- und Jugendpsychotherapieplätzen, etwa im Main-Tauber-Kreis, sinnvoll ergänzen. Heilpädagoginnen und Heilpädagogen sind darüber hinaus in zahlreichen weiteren Arbeitsfeldern tätig – in heilpädagogischen Praxen, in der Jugend- und Eingliederungshilfe, in Kliniken, Hospizen, psychiatrischen Einrichtungen, der Altenpflege und in Institutionen für Menschen mit Behinderungen.
Bewerbung und Voraussetzungen
Bewerbungen werden ab sofort entgegengenommen. Vorausgesetzt werden:
• eine abgeschlossene Ausbildung als staatlich anerkannter Erzieherin, Jugend- und Heimerzieherin, Heilerziehungspflegerin oder ein pädagogisches Studium,
• eine vergleichbare pädagogische Ausbildung • mindestens ein Jahr praktische Tätigkeit in sozial- oder heilpädagogischen Arbeitsfeldern nach Abschluss der Erstausbildung,
• sowie ein ärztliches Attest über die gesundheitliche Eignung für eine heilpädagogische Tätigkeit.
Wer bei seiner Vorqualifikation unsicher ist, kann gerne weitere Informationen bekommen. Teilweise sind Sondergenehmigungen in Absprache möglich. Informationen zu Ausbildungsinhalten und Kosten erhalten Interessierte unter gabriela.schwarz@jugendhilfe-creglingen.de oder über die Webseite www.main-tauber-institut.de.