Erster Kompakttag Heilpädagogik im Main-Tauber-Institut

Kompakttag Heilpädagogik fand regen Zuspruch

„Heilpädagogik ist die wissenschaftlich begründete Lehre von Erziehung unter erschwerten Umständen“ so Paul Moor, der Begründer der deutschsprachigen Heilpädagogik. Verstehen lernen, bevor man erziehen möchte, war ein Schwerpunkt seiner heilpädagogischen Lehre und damit haben sich die Teilnehmer*innen beim ersten Kompakttag Heilpädagogik der Jugendhilfe Creglingen im schönen Gartensaal der Jugendhilfeeinrichtung in Creglingen fachlich auseinandergesetzt. Referent dieses Kompaktages war Michael Ebert, selbst Heilpädagoge mit vielen Weiterbildungen im heilpädagogischen Sektor, systemischer Berater und Bereichsleiter der teilstationären und ambulanten Jugendhilfeangebote in Bad Mergentheim. Zudem als Dozent für das Main-Tauber-Institut und für das Fortbildungszentrum der AWO in Ludwigsburg tätig.

Der Vormittag stand schwerpunktmäßig unter dem Aspekt der heilpädagogischen Lehre und deren wissenschaftlichen Ansprüche, welche Ebert durch eine Präsentation und mit Beispielen aus der alltäglichen Praxis darstellte.

Die Heilpädagogik berücksichtigt Erziehungsbedürfnisse bei individuellen und sozialen Lebenserschwernissen und beschäftigt sich auch mit der Erziehung, die von der Gefahr der erschwerten Bedingungen bedroht ist. Unter dem heilpädagogischen Denken und Handeln versteht man eine personenzentrierte Haltung, unter der man eine vorrangige Annahme des Gegenübers in den Vordergrund stellt. Heilpädagogik sieht den Menschen in seiner psychischen und physischen Ganzheit, d.h. sie sieht den Menschen als Ganzes und stellt nicht ein Merkmal in den Vordergrund. Dies geschieht durch sprachliche Akzentuierung und Beziehungsarbeit auf Augenhöhe.

Der Mensch wird weder durch seine Merkmale definiert, noch bilden gesellschaftliche Normen eine Rolle, sondern der Mensch mit seinen Möglichkeiten gestaltet den eigentlichen Maßstab einer heilpädagogischen Förderung. Die Heilpädagogik ist von der Entwicklungsfähigkeit eines jeden Menschen überzeugt und orientiert sich an den individuellen Problemen und ihrer Bedeutung für den einzelnen Menschen.

Die Basis beinhaltet hierbei die zwischenmenschliche Bindungs- und Beziehungsebene, welche vor jeglicher Methodik und Didaktik steht und das „Herzstück“ der Heilpädagogik bildet. Ziel ist es immer, ein Gleichgewicht zwischen der inneren und äußeren Erlebniswelt eines Menschen herzustellen, d.h. eine Wiederherstellung des emotionalen Erlebniszusammenhangs zu ermöglichen, welcher durch äußere Einflüsse, die Umwelt oder durch körperliche und geistige Beeinträchtigungen ins Ungleichgewicht geraten ist.

Die Anthropologie als Lehre vom Menschen beschreibt sehr gut die Erziehungsbedürftigkeit eines jeden Einzelnen und fordert den Pädagogen zum Reflektieren über sein eigenes Menschenbild. Das Menschenbild in der Heilpädagogik in Verbindung mit ersten pädagogischen Ansätzen rundeten den Vormittag ab.

Am Nachmittag setzten sich die Teilnehmer*innen mit den Schwerpunkten der berufsbegleitenden Ausbildung zum staatlich anerkannten und examinierten Heilpädagogen, welche am 29. Juni am Main-Tauber-Institut an den Start gehen wird, auseinander (siehe FN-Bericht 15. März 2023 von Heike von Brandenstein). Unter dem Aspekt der Partizipation konnten Wünsche, Anregungen und Gestaltungsmöglichkeiten miteingebracht werden, so dass die Weiterbildung unter der Berücksichtigung der Vorgaben des Regierungspräsidiums und des Sozialministeriums in Stuttgart ganz auf die Teilnehmer zugeschnitten werden kann.

Anmeldungen sind noch bis zum Start der Ausbildung möglich und nähere Auskünfte erhält man bei Michael Ebert unter 0175-8857401 oder 07931-949635 oder michael.ebert@jugendhilfe-creglingen.de oder über die Homepage der Jugendhilfe Creglingen unter www.main-tauber-institut.de