Creglinger Workout "Nachhaltige Fachkräftebindung"

Fachsimpeln in den Feierabend "Nachhaltige Fachkräftebindung"

Kita ohne Erzieher? Schulsozialarbeit ohne Sozialarbeiter? Pflege ohne Pflegepersonal? Wohin mit Oma, wenn sie Pflege braucht? Wer betreut die Kinder, wenn Mama und Papa arbeiten? Was nach Zukunftsszenarien klingt, ist schon längst im sozialen Bereich angekommen. Leider teilweise unbemerkt von der Gesellschaft.

Gemeinsam mit dem PARITÄTISCHEN Kreisverband Main-Tauber veranstaltete das Main-Tauber-Institut der Jugendhilfe Creglingen im Schloßcafé Bad Mergentheim den Creglinger Workout „Nachhaltige Fachkräftebindung in sozialen Einrichtungen“. Der Arbeitskräftemangel wird zunehmend spürbar für jedes Mitglied der Gesellschaft. Wie man in sozialen Einrichtungen künftig damit umgeht, und wie man dem Fachkräftemangel kreativ entgegenwirken könnte, war Thema des Abends.

Katharina Mittler, die beim PARITÄTISCHEN Baden-Württemberg für Arbeitskräftebindung und –gewinnung im Servicebereich Personal zuständig ist, gab einen fachlichen Input und die Teilnehmenden tauschten sich über das Thema gemäß des Formats Creglinger Workout-Fachsimpeln in den Feierabend angeregt aus.

Festzustellen ist, dass im sozialen Bereich, wie auch in vielen anderen Branchen die Fachkräfte rar werden. Mit der begrenzten Ressource Arbeitskraft umzugehen, ist das Thema der Zukunft. Ein Ziel wird sein, junge Menschen frühzeitig an die sozialen Berufe heranzuführen, z. B. durch Projekte in der Schule, um viele Auszubildende für den Sozialbereich zu generieren. Weiter gibt es vor allem im Bereich Pflege bereits Programme, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen, was allerdings mit hohen Kosten und Herausforderungen verbunden ist. Neben dem Anwerben von Mitarbeitenden gewinnt zunehmend die Mitarbeiterbindung an Bedeutung. Was kann man tun, dass es den Mitarbeitenden, die schon da sind, gut geht? Kann man Arbeitsschritte ohne Folgen weglassen? Die Dokumentation nimmt im sozialen Bereich viel Raum ein, könnte künstliche Intelligenz die Lösung sein oder eine bessere Digitalisierung?

Verwunderlich stellten die Teilnehmenden fest, dass der Dienstleistungssektor Gesundheit, Veterinär und Sozialwesen laut Arbeitsagentur im Jahr 2021 5,2 Millionen Arbeitskräfte hat. Hinzu kommt der Bereich Erziehung und Bildung, der nochmal 1,4 Millionen Arbeitskräfte ausmacht. Dies sind deutlich mehr Mitarbeiter als in der Automobilindustrie mit rund 800.000 Mitarbeitenden oder dem Finanz- und Versicherungssektor mit ca. 1,1 Millionen Beschäftigten. Trotzdem hat der soziale Bereich lediglich eine kleine Lobby in Politik und Gesellschaft. Dies muss sich nach Auffassung der Runde dringend ändern. Dem sozialen Bereich, sei es Kinderbetreuung, Jugendhilfe, Alten- und Krankenpflege, lastet der Ruf an, viel Geld zu kosten. Den immateriellen Gewinn für die Gesellschaft sehen die wenigsten. Zukünftig wird es so sein, dass man Angebote zurückfahren muss, wenn sich der Mangel an Fachkräften nicht lösen lässt. In den Kitas und der Altenpflege ist dieser Trend schon zu beobachten. Kita-Gruppen müssen schließen, Altenheime können gar nicht eröffnet werden. Der Trend wird sich fortsetzen, wenn die Politik und Gesellschaft weiter die Augen verschließt. Allerdings ist der soziale Bereich unerlässlich und die Versorgung primäre Aufgabe des Staates nach dem Sozialstaats- und Subsidiaritätsprinzip. Eine nachhaltige weitreichende Lösung muss gefunden werden.

Eine Aufwertung des Bereichs auf gesellschaftlicher und politischer Ebene ist wünschenswert, so müssen die Löhne im Sozialbereich lukrativer werden und die sozialen Berufe eine Aufwertung erfahren. Schließlich ist nicht der soziale Bereich das Problem, sondern er betreut unter anderem die Kinder und Pflegebedürftigen, heilt die Kranken und kümmert sich um die sozialen Probleme der Gesellschaft.

Jede Einrichtung oder Organisation ist nun gefordert, sich den Aufgaben zu stellen. Auch auf Verbandsebene wird sich etwas bewegen. Ebenso ist es wichtig, einrichtungsübergreifend und in Zusammenarbeit der Verbände, die Themen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene voranzubringen.