25 Jahre Tagesgruppe Lauda – Kinder stärken, Familien unterstützen - bei gestiegenen Herausforderungen

Ein Vierteljahrhundert engagierte pädagogische Arbeit: Unsere Tagesgruppe in Lauda feiert ihr 25-jähriges Bestehen!

Vor kurzem feierte die Tagesgruppe der Jugendhilfe Creglingen e. V. in Lauda ihr 25-jähriges Bestehen. Im Herbst 2001 wurde sie eröffnet und am Nikolaustag offiziell eingeweiht. Aufgrund des erhöhten Bedarfs im Raum Lauda entschloss sich die Jugendhilfe Creglingen, nach der bestehenden Gruppe in Bad Mergentheim eine weitere Tagesgruppe in Lauda zu eröffnen. Zunächst war diese auf dem Ölberg untergebracht, bevor sie 2006 in die Altstadt umzog.

Die Tagesgruppe ist ein Jugendhilfeangebot mit dem Ziel, eine vollstationäre Unterbringung zu vermeiden und den Verbleib der Kinder in ihren Familien zu ermöglichen. Aufgenommen werden Kinder mit herausfordernden Verhaltensweisen, schulischen Problemen oder Schwierigkeiten im Elternhaus. Das Angebot soll Familien entlasten und unterstützen und wird an die individuellen Bedürfnisse der Kinder angepasst. Die Hilfe wird vom Jugendamt des Landratsamtes genehmigt.

Derzeit besuchen neun Kinder im Alter zwischen sieben und 15 Jahren die Tagesgruppe. Das Mitarbeitenden-Team setzt auf eine intensive Bindungs- und Beziehungsarbeit, aber auch auf Konsequenz und Klarheit im Erziehungsverhalten. Neben der Vermittlung von Alltagskompetenzen sieht die Tagesgruppe auch einen Bildungsauftrag bei sich. Das eingespielte Team ist seit vielen Jahren relativ konstant. So ist Ramona Günther nahezu von Anfang an dabei. In der Gruppe herrscht eine lockere und fröhliche Atmosphäre. „Uns ist es wichtig, dass die Kinder gerne herkommen“, so Mitarbeiter Martin Bartholme. Dabei bringt jedes Teammitglied seine eigenen Stärken ein, sei es Sportlichkeit, Musikalität oder Kreativität.

Beim Rückblick auf die vergangenen 25 Jahre stellen Ramona Günther und Martin Bartholme fest, dass die Herausforderungen an die pädagogischen Fachkräfte stark gewachsen sind. Die Kinder bringen zunehmend vielfältige und herausforderndes Verhalten mit und haben einen hohen Förderbedarf. Während früher noch viele Kinder Regelschulen besuchten, gehen heute beinahe alle Tagesgruppenkinder auf unterschiedliche Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren. Fast alle haben bereits Erfahrungen mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie gemacht. Aufgrund des erhöhten Hilfebedarfs erhalten viele Kinder individuelle Zusatzleistungen und werden zeitweise im Verhältnis 1:1 betreut.

Um den Kindern Orientierung und Sicherheit zu geben, setzt die Tagesgruppe auf feste Strukturen und einen geregelten Tagesablauf. Nach der Schule kommen die Kinder in die Gruppe. Auf das gemeinsame Mittagessen und die Dienste der Kinder folgen die Lernzeit und anschließend ein Freizeitangebot. Auch in den Ferien werden immer wieder Ausflüge unternommen. So besuchte die Gruppe im Sommer die Superhelden-Ausstellung in Speyer.

Von Ferien zu Ferien beschäftigt sich die Gruppe zudem mit einem bestimmten Thema. Derzeit steht das Projekt „Geld und Einkaufen“ auf dem Programm. Bartholme berichtet, dass früher noch komplexere Themen behandelt wurden. Heute müssen diese stärker auf die Bedürfnisse der Kinder angepasst und spielerisch vermittelt werden. Auffällig sei auch der zunehmend eingeschränkte Wortschatz vieler Kinder und Jugendlicher. Ziel der pädagogischen Arbeit ist es, die Kinder so zu fördern, dass sie ihren Alltag möglichst selbstständig bewältigen können.

Gründe für die gestiegenen Herausforderungen sehen die Pädagog:innen unter anderem in gesellschaftlichen Veränderungen und den damit verbundenen hohen Anforderungen an Familien und Kinder. Besonders die rasante digitale Entwicklung und der Umgang mit Medien, vor allem bei jüngeren Kindern, werden kritisch gesehen. Während früher noch über Fernsehzeiten diskutiert wurde, gebe es heute bei vielen Kindern kaum Grenzen bei der Mediennutzung. Zudem seien immer weniger Kinder in Vereinen aktiv und hätten Schwierigkeiten, Freundschaften zu schließen.

Wichtig sei deshalb, dass Kinder und Jugendliche möglichst frühzeitig Hilfe erhalten, um positive Veränderungen bewirken zu können. Entscheidend für den Erfolg sei auch, dass die Eltern und die Mitarbeitenden der Tagesgruppe an einem Strang ziehen und intensiv zusammenarbeiten. Die Hilfe ist in der Regel auf zwei Jahre ausgelegt. Die Erfolge der pädagogischen Arbeit lassen sich laut den Mitarbeitenden auch anhand von Messsystemen nachweisen.

Trotz der herausfordernden Arbeit berichten Günther und Bartholme von vielen schönen Momenten und Erfolgsgeschichten. Besonders freuen sie sich, wenn ehemalige Tagesgruppenkinder als Erwachsene zu Besuch kommen und sie sehen, wie gut diese sich entwickelt haben.

Anfang 2028 ist ein Umzug der Tagesgruppe in ein Haus mit Garten geplant. Die Mitarbeitenden freuen sich bereits auf die neuen Möglichkeiten, insbesondere auf den Garten. Dort möchten sie gemeinsam mit den Kindern gärtnern. Auch die Idee auf tiergestützte Pädagogik zu setzen, gibt es. Im Rahmen der geplanten Einweihungsfeier soll dann das Fest zum 25-jährigen Jubiläum nachgeholt werden.

Die Jugendhilfe Creglingen e. V. ist eine Jugendhilfeeinrichtung mit Hauptsitz in Creglingen und über 400 Mitarbeitenden. Neben stationären Wohngruppen, ambulanten Angeboten und den beiden Tagesgruppen ist sie auch Träger der Schulsozialarbeit an den Schulen in Lauda-Königshofen. Weitere Informationen gibt es unter Tagesgruppe Lauda.

Das Foto zeigt einen Teil des Teams rund um Gruppenleiter Marcel Ertl.