15 JAHRE WOHNGRUPPE WERTHEIM

Ein Grund zum Feiern!

Zum 15-jährigen Bestehen unserer Wohngruppe in Wertheim erschien ein Artikel in den Fränkischen Nachrichten, Ausgabe Wertheim:

"Kein Ersatz für die Eltern"

WERTHEIM (von Birger-Daniel Grein)

Seit 15 Jahren gibt es in Wertheim eine Wohngruppe der Jugendhilfe Creglingen, anfangs auf dem Reinhardshof nun links der Tauber in der Kernstadt. Neben diesem Geburtstag feiert auch die Jugendhilfe Creglingen ihr 70-jähriges Bestehen.

Die Organisation der Jugendhilfe wurde 1952 bei Creglingen gegründet und ist heute von Ansbach in Mittelfranken über Würzburg und den Main-Tauber-Kreis bis in den Landkreis Miltenberg tätig. Insgesamt hat sie rund 300 Mitarbeiter. Neben den stationären Wohngruppen gehören verschiedene Tagesgruppen, soziale Gruppenangebote, ambulante Familienhilfe sowie Schulsozialarbeit und der Betrieb von Jugendhäusern zu ihrem Aufgabenspektrum.

Frank Lechner, Leiter der Wohngruppe Wertheim, berichtete im Gespräch mit unserer Zeitung, kurz vor Gründung der stationären Wohngruppe Wertheim sei die stationäre Hilfe im Melanchthonstift aufgelöst worden. Der Main-Tauber-Kreis habe eine Angebotslücke im nördlichen Kreis gesehen und die Jugendhilfe Creglingen angefragt. Bis 2016 befand sich die Wohngruppe in einem ehemaligen Kasernengebäude beim Broadway-Kino auf dem Reinhardshof. Im Rahmen der Flüchtlingswelle und der damit verbundenen Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge wurde in diesen Räumen eine Gruppe für diese eingerichtet. Für die Wohngruppe mietete der Träger das Haus in der Föhlischstraße 2 in der Kernstadt an. Dieses wurde zuvor passend umgebaut.

Bedenken zerstreut

Vor dem Einzug habe es bei den Nachbarn Vorbehalte und große Bedenken gegeben. Inzwischen sei die Nachbarschaft super und alle Bedenken wurden zerstreut. „Die Jugendlichen helfen manchmal auch den Nachbarn.“

Die Wohngruppe ist aktuell mit zehn Kindern und Jugendlichen von zwölf bis 18 Jahren voll ausgelastet. „Aufnehmen können wir Kinder ab zehn Jahren.“ Einige davon kämen aus der direkten Umgebung. Auch Jugendämter von weiter weg, würden Plätze anfragen. „Diese sind froh, wenn sie Plätze in einer Entfernung von ein bis 1,5 Stunden Fahrzeit bekommen“, beschrieb er den Mangel. Betreut werden die Bewohner in Wertheim im Schichtdienst von zwei Männern und drei Frauen in Vollzeitstellung sowie einer Werkstudentin der Sozialpädagogik mit halber Stelle.

Die Betreuer sind Erzieher oder Diplom Pädagogen. Hinzu kommen zeitweise Praktikanten aus Studium oder Erzieherausbildung. Rund um die Uhr an allen Tagen des Jahres ist mindestens ein Betreuer anwesend. „Zu Spitzenzeiten sind es zwei.“ Die Gründe, warum Heranwachsende in die Wohngruppe kommen, seien unterschiedlich. Es seien zum Beispiel Konflikte oder Probleme in der Familie, die die Entwicklung der Kinder massiv gefährden oder Überforderung von Eltern. Manche Jugendliche seien vier bis fünf Jahre in der Wohngruppe und gingen als Volljährige in die Selbstständigkeit, andere blieben nur eine begrenzte Zeit, um die Krisensituation zu überbrücken. Wichtig war Lechner, dass man die Eltern nicht ersetzen will. Diese seien weiterhin nahe Bezugspersonen und für die Kinder und Jugendlichen sehr wichtig. Daher gehören Elternarbeit, Heimfahrten, Besuche und gemeinsame Zielsetzungen von Eltern und Jugendhilfe zum Konzept.

Rahmen schaffen

Wichtig sei allen Mitarbeitern, einen Rahmen zu Schaffen in dem sich die Bewohner gut entwickeln können. Zentral sei dabei auch die Beziehungsarbeit in der Gruppe und zwischen Betreuern und Heranwachsenden. Jeder Bewohner habe einen Bezugsbetreuer, der ihn intensiver betreut und zugleich Kontaktperson für Eltern, Schule und weitere Ansprechpartner sei.

Damit sich die Heranwachsenden wohlfühlen, wird vieles getan. Die Bewohner haben Einzelzimmer, die sie persönlich gestalten können. An jedem Tag gibt es am Abend ein gemeinsames Essen aller Bewohner mit den diensthabenden Betreuern. „Wir kochen auch gemeinsam.“ Unterstützung bekommen die Schüler oder Auszubildende auch bei Lernen und Hausaufgabe. Zudem gebe es viele Freizeitangebote wie Sport, Kreatives und Erlebnispädagogik. Die Bewohner seien aber auch in Vereinen vor Ort aktiv. Beliebter Ort sei auch das Soundcafé, mit dem man in verschiedenen Bereichen zusammenarbeite. „Auch innerhalb der Wohngruppe entstehen Freundschaften und die Älteren unterstützen die Jüngeren.“ Da gehöre Streit auch mal dazu, wie in einer Familie. Auch gemeinsame Ausflüge und Urlaube gebe es.

Vom Jugendamt bekommen die Bewohner Taschengeld, sowie Geld für Kleidung, Freizeit und Kosmetik, über dass sie selbst verfügen dürfen. Die Kosten für die Unterbringung und Betreuung zahlt ebenso das zuständige Jugendamt. „Die Eltern werden je nach Einkommen beteiligt.“

Entwicklung begleiten

Lechner ist von Anfang an Leiter der Wohngruppe. „Ich finde es gut, so eng mit den Klienten in Beziehung zu treten“, sagte er. Es sei schön, deren Entwicklung eng zu begleiten. Eine Herausforderung sei die Betreuungsintensität in allen Lebensbereichen. Außerdem kämen die Bewohner mit Belastungen, die sie aufarbeiten müssen. Zur Unterstützung gebe es beispielsweise neben dem eigenen psychologischen Fachdienst des Trägers auch Kooperationen mit niedergelassenen Kinder- und Jugendärzten und -psychologen. Darüber hinaus kooperiere man mit den Schulen der Bewohner, dem Soundcafé, verschiedenen Vereinen und der Tanzschule Physical Funk und der Stadt Wertheim. Früher sei man beim Reinhardshoffest aktiv gewesen, zuletzt habe man den Burgerlebnistag mitgestaltet.

Die Feier der Wohngruppe findet in Form eines nichtöffentlichen Gartenfests mit aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern und Bewohnern, Partnern, Eltern und Vertretern des Trägers statt. In Zukunft wolle man sich wieder mehr der Öffentlichkeit präsentieren. Man freue sich auch über Leute, die sich ehrenamtlich einbringen, um den Alltag der Kinder und Jugendliche zu bereichern, stellte Lechner abschließend fest.