Minister lobt "zutiefst humanitäre Arbeit"

Den 17. September 2015 werden sie bei der Jugendhilfe Creglingen nicht so schnell vergessen. Frühs um 8.30 Uhr geht der Hilferuf aus dem Jugendamt ein: Da sind sechs unbegleitete Minderjährige, die nicht in der Erstaufnahmeeinrichtung in Wertheim bleiben können. Doch wohin mit ihnen? Bei der Jugendhilfe setzt sich eine generalstabsmäßige Maschinerie in Gang: Ein eben erst geräumtes Gebäude in Tauberbischofsheim wird wieder bezogen, Personal für die 24-Stunden-Betreuung gesucht, ebenso Einrichtungsgegenstände, Büroausstattung und Essen. Alle ziehen an einem Strang. Um 17 Uhr sind die ersten Geflüchteten da. Alle haben ein Bett, können duschen und werden satt. Was für ein Tag, resümieren sie später bei der Jugendhilfe. Und das war erst der Anfang…

Wie turbulent und herausfordernd dese Zeit vor knapp sechs Jahren war, veranschaulicht die 40-seitige Broschüre, die die Jugendhilfe herausgebracht hat und die jetzt an den baden-württembergischen Sozialminister Manfred Lucha überreicht wurde – virtuell, versteht sich. Der Grüne Politiker kennt die Jugendhilfe bereits, hat er ihr doch zusammen mit Creglingens Bürgermeister Uwe Hehn im vergangenen Sommer einen Besuch abgestattet. Schon damals war Lucha angetan von der Arbeit, die die Jugendhilfe leistet. An diesem Urteil hat sich nichts geändert, im Gegenteil. „Dank eines klaren Wertekonzepts und hoher handwerklicher Qualität“ habe die Jugendhilfe die Herausforderungen gemeistert, schwärmt der Minister.

„Wie groß die Aufgabe war, ruft diese sehr gelungene Broschüre in Erinnerung“. Sie beschreibt die Herausforderungen in der Betreuung unbegleiteter minderjähriger Ausländerinnen und Ausländer (UMA) in den Jahren 2015 bis 2020. Bei der Übergabe virtuell anwesend waren neben Geschäftsführer Werner Fritz und dem Vorsitzenden Helmut Wörrlein auch Mitarbeiterinnen, die aus erster Hand über die Zeit berichten konnten sowie der Syrer Kotaiba Ajjan Alhadid, der damals als einer der ersten Jugendlichen in die Obhut der Jugendhilfe kam und der heute in Karlsruhe Elektro- und Informationstechnik studiert.

In kürzester Zeit habe die Jugendhilfe damals eine noch nie dagewesene Anzahl allein reisender Kinder und Jugendlicher aufgenommen, so der Minister. „Ihre zutiefst humanitäre Arbeit hat sich gelohnt“. Man habe Hilfe zur Selbsthilfe geleistet und die Jugendlichen dabei unterstützt, eigene Stärken zu entwickeln und Traumata zu überwinden. In kürzester Zeit hätten die Mitarbeiter neue Angebote aus dem Boden gestampft.

„Das alles war nicht immer einfach, wurde aber vorbildlich gemeistert, wie die sehr gelungene Broschüre eindrücklich beweist“, war Manfred Lucha voll des Lobes.

Jugendhilfe-Vorsitzender Helmut Wörrlein sagte, man könne nicht die Welt retten, aber „jeder kann dazu einen kleinen Beitrag leisten“.

„Mit klaren Zielen“

„Mein Nächster ist der, der meine Hilfe braucht“ – diese Grundeinstellung sei Konsens in der Jugendhilfe, hob Wörrlein hervor. Geschäftsführer Werner Fritz erinnerte an den 17. September 2015. „Damals hat sich mit der Ankunft der unbegleiteten Jugendlichen die Welt der Jugendhilfe komplett geändert“. Erfreulich sei, dass in Baden-Württemberg die jungen Leute über das 18. Lebensjahr hinaus betreut werden könnten, „denn da geht die eigentliche Integrationsarbeit erst los“.

Anita Lurz, Bereichsleiterin des stationären Bereichs Süd der Jugendhilfe, schilderte die damalige Zeit aus ihrer Sicht. Die vor allem männlichen jungen Leute seien erschöpft, aber mit klaren Zielen nach Deutschland gekommen. Sie habe die Jugendlichen als „wissbegierig, hilfsbereit, gastfreundlich und mit großem Familiensinn“ erlebt. Große Hoffnungen seien auf neue Herausforderungen getroffen. Man habe den UMAs die Regeln und das Wertesystem erklärt und mit ihnen auf Augenhöhe diskutiert. „Dann haben sie die Regeln auch akzeptiert und sich daran gehalten“. Sie selbst habe viel von den jungen Menschen gelernt. Angelika Fricker, Sozialpädagogin aus dem ambulanten UMA-Team der Jugendhilfe, freute sich, dass fast jeder seinen eigenen Weg gefunden habe. „Wir konnten ihnen ein bisschen etwas von ihrer verlorenen Jugend schenken“.

„Mit Hilfe der Jugendhilfe habe ich meinen Weg gefunden“, sagte Kotaiba Ajjan Alhadid. Dank der guten Betreuung sei der Kulturschock ausgeblieben. Integration gelinge nur, wenn „beide Seiten zusammenarbeiten“, so sein Fazit. Er machte 2020 das Abitur und studiert mittlerweile in Karlsruhe.

Werner Fritz betonte, es gebe Integration nicht zum Nulltarif, sie sei echte Knochenarbeit. Und Minister Manfred Lucha sprach von einer „tollen Botschaft“, wenn er höre, dass „aus jedem etwas geworden ist“.

Text und Foto: Arno Boas
Erschienen am 5. Juli 2021 in den Fränkischen Nachrichten

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