Erfolgreiche Schulung in ProDeMa

Mitte März 2019 fand die zweite Grundschulung im Professionellen Deeskalations Management, kurz ProDeMa (geschützter Begriff), in Creglingen statt. Durchgeführt wurde der dreitägige Kurs von den ausgebildeten Deeskalationstrainern Thomas Schwarz und Petra Kolarik-Fehr. Zehn Mitarbeiter aus den unterschiedlichen Bereichen nahmen daran teil.

Prodema passt sehr gut zum systemisch-pädagogischen Ansatz unserer Einrichtung, da das Programm sehr wertschätzend und lösungsorientiert ist. Gestartet wurde mit einem theoretischen Teil, in dem die Teilnehmenden ProDeMa kennenlernen konnten und Begrifflichkeiten sowie die einzelnen Deeskalationsstufen geklärt wurden.

ProDeMa ist ein Präventionskonzept zum professionellen Umgang mit Gewalt und Aggressionen. Für die verschiedenen Bereiche Psychiatrie, Jugendhilfe, Krankenhäuser, Justizvollzugsanstalten, Behinderteneinrichtungen, Sozialämter etc. wurden eigens darauf ausgerichtete Konzepte entwickelt und mehrfach evaluiert. Besonders im Gruppenalltag in der Jugendhilfe kommt man in Situationen, in denen der Gegenüber ein herausforderndes Verhalten an den Tag legt, manchmal verbunden mit Aggressionen oder Gewaltausbrüchen. Mit den Strategien von ProDeMa versucht man, aggressive Verhaltensweisen der betreuten Kinder, Jugendlichen oder Eltern zu vermindern bzw. zu verhindern. Durch eine professionelle Grundhaltung im Umgang mit Aggressionen und eine spezialisierte verbale Deeskalationstechnik versucht man Eskalationen zu verhindern. Ebenso soll durch die Anwendung von ProDeMa der Schutz der Mitarbeitenden erhöht werden, indem man Abwehr- und Fluchttechniken und verletzungsfreie Immobilisationstechniken einübt.

Anhand verschiedener Checklisten zur verbalen Deeskalation wird das Gespräch in eine Kontaktphase, Beziehungsphase, Konkretisierungsphase und die Lösungsphase strukturiert. Weiter wichtig zu beachten ist hierbei die Gestik, Mimik, Sprache, Stimme und das Bewegungsspiel. Zudem wird auf den Sicherheitsaspekt hingewiesen, z. B. darauf achten, dass man den Fluchtweg im Rücken hat, Sitzposition, Abstand einhalten zum Gesprächspartner und unter Umständen als Schutz die Hände vor den Körper halten. Die eigene Grenzsetzung in der Interaktion mit anderen wurde ebenso thematisiert und wie man z. B. bei einer verzögerten Grenzsetzung reagieren kann. Ein bedeutender Faktor wurde im Laufe des Seminars deutlich, und zwar das Spiegeln des Gegenüber - seine Körpersprache, sein Verhalten und was er sagt. Wichtig ist hierbei nicht zu werten, sondern lediglich das Gesehene und Gehörte kurz und prägnant widerzuspiegeln. Gemeinsam versucht man dann Lösungen zu finden.

Zur Begleitung des Seminars gab es zur Unterstützung einige Checklisten, um Gespräche zu strukturieren und zu führen. Die Checklisten dienen als Hilfsmittel bis man die Punkte und Fragestellungen von ProDeMa verinnerlicht hat. 

Die Teilnehmer hatten ausreichend Zeit die theoretischen Inhalte des Seminars in Kleingruppen in Videotrainings und freien Trainings praxisnah zu üben. Im Videotraining wird die Situation gefilmt und anschließend angeschaut sowie reflektiert mit der Möglichkeit zum Nachüben. Im freien Training wird bei der „verpassten Chance“ interveniert und anschließend gleich nachtrainiert. Zum Abschluss des Deeskalationstrainings stellten Frau Kolarik-Fehr und Herr Schwarz einige Körperinterventionstechniken vor. Diese werden allerdings nur im äußersten Notfall eingesetzt, wenn es um den Schutz der eigenen Person oder den Schutz der betreuten Person geht.

In diesem Jahr sind voraussichtlich noch drei ProDeMa-Schulungen geplant. Interessierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können sich an ihre Bereichsleiter bzw. Bereichsleiterinnen wenden.

Die beiden ProDeMa-Trainer machen in Kürze eine Fortbildung zum Kollegialen Erstbetreuer für Kolleginnen und Kollegen, die Übergriffe durch Betreute erlebt haben. Sie wiesen darauf hin, dass es auch sehr wichtig ist, solche Vorfälle, bei denen Mitarbeitende psychischer oder körperlicher Gewalt durch Betreute ausgesetzt waren, gemeinsam mit den Bereichsleitern zu dokumentieren.

 

 

 

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